Kirchen und Aufarbeitung

Veröffentlicht auf von Josef Dorsten

Was die Kirchen unter Aufarbeitung verstehen:

 

Von Vertretern der Kirchen insbesondere den Historikern wird das Buch von Peter Wensierski dahingehend kritisiert dass es angeblich in eine Schwarz-Weiß-Denken die damaligen kirchlichen Heimerziehung beleuchtet.

Sie sind der Meinung nun in einem wissenschaftlichen Anspruch besonders in einem historischen Kontext die damaligen Verhältnisse der Heime- Erziehung untersuchen zu wollen.

Sie lassen sich da aber sehr viel Zeit, denn bisher sind in Studien die Zöglinge selber noch nicht zu Wort gekommen und man meint, dass das vielleicht gar nicht gewollt wird.

Ich bin 77 Jahre und sicherlich einer der ältesten Zeitzeugen was meine Zeit auf der Johannesburg angeht. Ein Alter dass nicht zulassen sollte nun noch geduldig die nächsten Jahre abzuwarten, bis sich die Wissenschaftler einmal bequemen an meiner Haustür anklopfen um mich zu  befragen, wie ich meine damalige Zeit erlebt habe.

Eine dieser Studien beispielsweise von Prof. Dr. Jähnichen, der auch schon auf der Johannesburg war, aber bisher keine Initiative zeigte ehemalige Zöglinge zu befragen. Seine Studie und seine grundsätzlichen Thematik:

„Erforschung der Kirchlichen Heimerziehung in der frühen Bundesrepublik Deutschland (1949-1972)“

Forschungsprojekt unter Leitung von Prof. Dr. Wilhelm Damberg und

Prof. Dr. Traugott Jähnichen


Zwischen Skandalisierung und pädagogischer Reformdebatte –

Zur Entwicklung der Heimerziehung in der frühen Bundesrepublik

 

Kann weiter unter diesem Link gelesen werden:

 

http://www.ruhr-uni-bochum.de/jaehnichen/kirchliche_heimerziehung.pdf

 

Ich bin nicht mehr bereit länger zu warten und so habe ich dem Professor ein Fax zukommen lassen mit folgendem Inhalt:

 


Sehr geehrter Herr Prof.Traugott Jähnichen.

Habe in Ihrem Interview eine Passage über die Johannesburg in Börgermoor gelesen und bin über Ihr Unwissen Betreff der  Johannesburg erstaunt. Ich bin Zeitzeuge des Beginn der Erziehungsarbeit der Johannesburg in Börgermoor-Papenburg.                                                                                                                                                                                                                                              Ich bin am 12.03.1947 nach der Johannesburg verbracht worden. Sie sagen im Interview, das die johannesburg schwere Kriegsschäden davon getragen hat. Dem ist nicht so. Der einzige Schaden war die Turmhaube. Im Dreieck Dortmunder Emskanal und  Küstenkanal haben schwere Kämpfe stattgefunden bei dem der Turm der Johannesburg beschossen wurde weil der Verdacht bestand, das ein Beobachter Deutscher seit dort war. An dem Gebäude waren kein Kriegsschäden sondern Verwahrlosungsschäden die sie aus dem Anhang ersehen können. Sie sprachen von 150 Kinder und Zöglinge die 1946 auf der Burg gewesen sein sollten. Das ist falsch. Wie ich auf der Burg verbracht worden bin, waren wir mit 35 Zöglinge dort auf der Abteilung Hochland Untergebracht. Später im Jahr wurde die Abteilung Junghorst  geöffnet. Es waren nie mehr als 150 Zöglinge zu der Zeit als ich dort gewesen bin. Sie Herr Prof.T. Jähnichen arbeiten an eine Studie Forschugsprojekt Heimerziehung. Es gibt noch Überlebende der damaligen Zeit die Ihnen über das Geschehene Auskunft geben können. Bei Ihrer Besprechung in Bochum war Dr.C.Burschel und W.Klein anwesend. Dieerren hatten sie auf Gravierende Fehler in Ihrer Studie aufmerksam gemacht. Die Festschrift 75 Jahre Jugendheim Johannesburg ist für eine Studie genau wie Endstation Freistatt nicht zu gebrauchen. Sie gibt nicht wieder, was wirklich in den Heimen geschehen ist. Wenn Sie Herr Prof. genaues über die damalige Zeit in Ihrer Studie verarbeiten wollen, finden sie meine Geschichte über die Fürsorgeerziehungsanstalt Kloster Johannesburg Börgermoor in meinen Blog im Diakonie Forum. Nikname Haudegen.

Mit freundlichen Gruß
Xxxxxxxxxxxxxx


Antwort:
xxxxxxxxxxxxxxxxx
an mich; traugott.jaehn.; btjaehnichen

Details anzeigen 9. Dez. (Vor 9 Tagen)

Sehr geehrter Herr xxxxxxxx!

Prof. Jähnichen hat Ihre Mitteilung an ihn an mich weitergeleitet,
da ich mich im Rahmen des an der Ruhr-Universität Bochum angesiedelten
Projekts zur Aufarbeitung der konfessionellen Heimerziehung näher mit
der Johannesburg befasse. Ich habe bereits im Internet einiges
über Ihre Zeit auf der Johannesburg gelesen, und wir haben uns auch
schon kurz auf der Johannesburg im Beisein von Herrn Klein getroffen.
Im Zuge unserer Studie ist geplant, im Jahr 2010 Interviews sowohl mit
ehemaligen Heimkindern als auch mit Erzieher durchzuführen. Dazu
beginnen im neuen Jahr die näheren Vorbereitung hinsichtlich der
Auswahl und des zeitlichen Ablaufs. Wenn dies geschehen ist, werde ich
mich bei Ihnen melden, um, Ihre Bereitschaft vorausgesetzt, das weitere
Vorgehen abzustimmen.


Ich wünsche Ihnen eine schöne Adventszeit und eine frohes Weihnachtsfest.


Mit freundlichen Grüßen

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

 

Ich werde nichts unversucht lassen weiter darauf zu drängen meine Sicht der damaligen Zeit aufzeigen zu wollen, so lange wie es meine Gesundheit zuläßt!!!!


Kommentiere diesen Post

Rolf Döhring 04/11/2011 16:11


Allem Anschein nach war ich in einem anderen Kloster Johannesburg.
Ich kam als Waise im April 1951 nach Johannesburg und wurde meinem Alter entsprechend zuerst auf die Abteilung „Friedburg” gebracht. Der dortige Aufenthalt war nicht unbedingt das, was ich mir
erträumt hatte. Besonders störte mich der Schlafsaal für alle, da auch Bettnässer dabei waren und dementsprechend die Luft war. Abteilungsleiter war damals Bruder Ehrenbrink, der auch die
klostereigene Schreinerei leitete. Sein Steckenpferd war die abendliche Lesung aus der Heiligenlegende, immer dekoriert mit dem „Zeigefinger Gottes”, worüber wir uns meist lustig machten.
Über den Sommer wurden wir in der Landwirtschaft eingesetzt, aber selbst für mich, damals 44 kg schwer, war die Arbeit gut zu schaffen.
Ab Herbst 1951 begann ich meine Lehre in der klostereigenen Druckerei, die ich 1954 vor der IHK Osnabrück abschloß.
Ich kam relativ schnell auf die Abteilung „Eigenheim”, wo wir zu viert ein eigenes Zimmer hatten. Nach Abschluß meiner Lehre besorgten mir die Hiltruper Missionare in Münster eine Stelle als
Drucker.
Auch wenn einem im Rückblick einiges albern vorkommt, schlecht behandelt wurde eigentlich niemand, die Hand rutsche schon mal aus, aber das war zur damaligen Zeit normal.
Alles in Allem habe ich eigentlich keine schlechten Erinnerungen an die damalige Zeit und ich habe in meinen 76 Lebensjahren einiges Arges erlebt, die Zeit auf der Johannesburg gehörte mit
Sicherheit nicht dazu.


Bernd König 10/14/2010 13:02


Hallo Herr Dorsten, auch befand mich von Okt. 66 bis Jan. 70 in diesen ungastlichen Hallen. Haber aber diese Zeit versucht zu verdrängen. Jetzt mit Beantragung der Rente mußte ich feststell, das
für uns keine Beiträge gezahlt wurden. Ich habe Buchbinder gelernt und wir produzierten für die Konten des Klosters. Rentenbeiträge habe sie aber nicht bezahlt. Ich werde aber jetzt massiv dagegen
angehen und hoffe Leidensgenossen zu treffen, denen ebanso ergangen ist um das Kloster zu zwingen, für alle dort geknechteten Insassen diese Beiträge nachzuzahlen.

Mit freundlichen Grüßen
Bernd König