Sonntag, 20. dezember 2009 7 20 /12 /2009 01:37

Was die Kirchen unter Aufarbeitung verstehen:

 

Von Vertretern der Kirchen insbesondere den Historikern wird das Buch von Peter Wensierski dahingehend kritisiert dass es angeblich in eine Schwarz-Weiß-Denken die damaligen kirchlichen Heimerziehung beleuchtet.

Sie sind der Meinung nun in einem wissenschaftlichen Anspruch besonders in einem historischen Kontext die damaligen Verhältnisse der Heime- Erziehung untersuchen zu wollen.

Sie lassen sich da aber sehr viel Zeit, denn bisher sind in Studien die Zöglinge selber noch nicht zu Wort gekommen und man meint, dass das vielleicht gar nicht gewollt wird.

Ich bin 77 Jahre und sicherlich einer der ältesten Zeitzeugen was meine Zeit auf der Johannesburg angeht. Ein Alter dass nicht zulassen sollte nun noch geduldig die nächsten Jahre abzuwarten, bis sich die Wissenschaftler einmal bequemen an meiner Haustür anklopfen um mich zu  befragen, wie ich meine damalige Zeit erlebt habe.

Eine dieser Studien beispielsweise von Prof. Dr. Jähnichen, der auch schon auf der Johannesburg war, aber bisher keine Initiative zeigte ehemalige Zöglinge zu befragen. Seine Studie und seine grundsätzlichen Thematik:

„Erforschung der Kirchlichen Heimerziehung in der frühen Bundesrepublik Deutschland (1949-1972)“

Forschungsprojekt unter Leitung von Prof. Dr. Wilhelm Damberg und

Prof. Dr. Traugott Jähnichen


Zwischen Skandalisierung und pädagogischer Reformdebatte –

Zur Entwicklung der Heimerziehung in der frühen Bundesrepublik

 

Kann weiter unter diesem Link gelesen werden:

 

http://www.ruhr-uni-bochum.de/jaehnichen/kirchliche_heimerziehung.pdf

 

Ich bin nicht mehr bereit länger zu warten und so habe ich dem Professor ein Fax zukommen lassen mit folgendem Inhalt:

 


Sehr geehrter Herr Prof.Traugott Jähnichen.

Habe in Ihrem Interview eine Passage über die Johannesburg in Börgermoor gelesen und bin über Ihr Unwissen Betreff der  Johannesburg erstaunt. Ich bin Zeitzeuge des Beginn der Erziehungsarbeit der Johannesburg in Börgermoor-Papenburg.                                                                                                                                                                                                                                              Ich bin am 12.03.1947 nach der Johannesburg verbracht worden. Sie sagen im Interview, das die johannesburg schwere Kriegsschäden davon getragen hat. Dem ist nicht so. Der einzige Schaden war die Turmhaube. Im Dreieck Dortmunder Emskanal und  Küstenkanal haben schwere Kämpfe stattgefunden bei dem der Turm der Johannesburg beschossen wurde weil der Verdacht bestand, das ein Beobachter Deutscher seit dort war. An dem Gebäude waren kein Kriegsschäden sondern Verwahrlosungsschäden die sie aus dem Anhang ersehen können. Sie sprachen von 150 Kinder und Zöglinge die 1946 auf der Burg gewesen sein sollten. Das ist falsch. Wie ich auf der Burg verbracht worden bin, waren wir mit 35 Zöglinge dort auf der Abteilung Hochland Untergebracht. Später im Jahr wurde die Abteilung Junghorst  geöffnet. Es waren nie mehr als 150 Zöglinge zu der Zeit als ich dort gewesen bin. Sie Herr Prof.T. Jähnichen arbeiten an eine Studie Forschugsprojekt Heimerziehung. Es gibt noch Überlebende der damaligen Zeit die Ihnen über das Geschehene Auskunft geben können. Bei Ihrer Besprechung in Bochum war Dr.C.Burschel und W.Klein anwesend. Dieerren hatten sie auf Gravierende Fehler in Ihrer Studie aufmerksam gemacht. Die Festschrift 75 Jahre Jugendheim Johannesburg ist für eine Studie genau wie Endstation Freistatt nicht zu gebrauchen. Sie gibt nicht wieder, was wirklich in den Heimen geschehen ist. Wenn Sie Herr Prof. genaues über die damalige Zeit in Ihrer Studie verarbeiten wollen, finden sie meine Geschichte über die Fürsorgeerziehungsanstalt Kloster Johannesburg Börgermoor in meinen Blog im Diakonie Forum. Nikname Haudegen.

Mit freundlichen Gruß
Xxxxxxxxxxxxxx


Antwort:
xxxxxxxxxxxxxxxxx
an mich; traugott.jaehn.; btjaehnichen

Details anzeigen 9. Dez. (Vor 9 Tagen)

Sehr geehrter Herr xxxxxxxx!

Prof. Jähnichen hat Ihre Mitteilung an ihn an mich weitergeleitet,
da ich mich im Rahmen des an der Ruhr-Universität Bochum angesiedelten
Projekts zur Aufarbeitung der konfessionellen Heimerziehung näher mit
der Johannesburg befasse. Ich habe bereits im Internet einiges
über Ihre Zeit auf der Johannesburg gelesen, und wir haben uns auch
schon kurz auf der Johannesburg im Beisein von Herrn Klein getroffen.
Im Zuge unserer Studie ist geplant, im Jahr 2010 Interviews sowohl mit
ehemaligen Heimkindern als auch mit Erzieher durchzuführen. Dazu
beginnen im neuen Jahr die näheren Vorbereitung hinsichtlich der
Auswahl und des zeitlichen Ablaufs. Wenn dies geschehen ist, werde ich
mich bei Ihnen melden, um, Ihre Bereitschaft vorausgesetzt, das weitere
Vorgehen abzustimmen.


Ich wünsche Ihnen eine schöne Adventszeit und eine frohes Weihnachtsfest.


Mit freundlichen Grüßen

xxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxxx

 

Ich werde nichts unversucht lassen weiter darauf zu drängen meine Sicht der damaligen Zeit aufzeigen zu wollen, so lange wie es meine Gesundheit zuläßt!!!!


von Josef Dorsten
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Mittwoch, 13. mai 2009 3 13 /05 /2009 15:12

Marcus 9 36-37 :

Er rief ein kleines Kind stellte es in die Mitte und umarmte es. Dann sagte er: „Wer ein solches Kind mir zuliebe aufnimmt, der nimmt mich auf. Und wer mich aufnimmt, der nimmt damit Gott selbst auf, weil Gott mich gesandt hat.“
 

Meine Familie

Ich bin 1932 in Rheine geboren, hatte  meine Eltern und noch einen Bruder und wir waren eine glückliche Familie.

  Meine Einschulung 1938, ich stehe in der zweiten Reihe links
er vierte Junge, der die Hände auf den Vorderjungen legt.
 

Dann kam das, was ich keinen Menschen wünsche, mein Vater verstarb am 14.12.1943. Von da an änderte sich alles. Die restlichen Kriegsjahre vergingen „normal“, was immer man darunter verstehen konnte. Nach dem Krieg gab es auf den Lebensmittelkarten zum Leben zu wenig  und zum Sterben zu viel. Wir, das waren mein Bruder und ich, gingen bei den Bauern Hamstern, sprich Betteln. Meine Mutter bekam eine Rente von 50.00 RM. Sie brachte morgens Zeitung aus und abends arbeitete sie im Kino als Platzanweiserin, denn es musste ja Geld ins Haus kommen. Mein Bruder und ich waren dann auf uns alleine gestellt. Meine Mutter war noch eine junge Frau, die auch gewisse Bedürfnisse hatte und das ging den katholischen Nachbarn zu weit. Diese  Nachbarn, die nach dem Krieg von Braun zu Schwarz wechselten wegen der Carepakete, die die Kirchen an der notleidenden  Bevölkerung verteilte. Wir gingen nicht zur Kirche und bekamen somit auch keine Carepakete. Die Zeit trieb so manche Blüten. Die Leute, die meine Mutter kritisierten, schickten ihre Töchter zu den Besatzungssoldaten und so kamen sie in dem Genuss von Bohnenkaffee und Zigaretten. Da  ließ man sich auch gerne einen Sack Kartoffel oder Kohlen in „Natura“ bezahlen Sie leben nach der Devise des Diebes, der da ruft: „Haltet den Dieb“. Die Zeiten waren nicht danach um mit großer Ehrlichkeit durchs Leben zu kommen. Um eine warme Wohnung zu haben brauchte man Kohlen, die haben wir uns dann „besorgt“. Im Krieg hat man bei uns den Kiefernwald gefällt, dieser „brannte“ und „wärmte“ gut. Es kam, wie es kommen musste, die Nachbarn gingen zum Jugendamt, sie wurden da sozusagen Stammkunden. Meine Mutter konnte sich nicht gegen die Vorwürfe wehren und das Jugendamt ging vor Gericht und das wies mich und meinen Bruder bis zum 19.ten Lebensjahr unter Fürsorge. Am 11.03.1947 kam eine Fürsorgerin zu uns und sagte zu mir, dass wir eine Reise machen wollen. Ich war damals 15 Jahre alt und dann  begann mein Elend.

In Papenburg musste ich bei der Polizeiwache die Nacht über auf einen Stuhl verbringen, denn es fuhr kein Bus mehr nach Börgermoor und es lag noch hoch der Schnee. Es war der schlimmste Winter seit Jahren. Der Bus brachte uns am nächsten Morgen nach Börgermoor und für mich begann die Hölle. Mein Bruder kam einige Tage später auch in ein Heim, allerdings in einem anderen Heim die Himmeltür in Hildesheim.

Fürsorgeheim: Kloster Johannesburg
 

Güldenburg  gehörte zu den "Herz-Jesu-Missionaren", die in Börgermoor bei Papenburg im Emsland das abgelegene katholische Erziehungsheim "Johannesburg" hatten

Die Geschichte über mein Leben in diesem Kloster habe ich nach vielen Jahrzehnten der Verdrängung einer Zeitung erzählt.                    

Hier ist meine Geschichte:

Johannesburg                                                                                                                                                                            Güldenburg  gehörte zu den "Herz-Jesu-Missionaren", die in Börgermoor bei Papenburg im Emsland das abgelegene katholische Erziehungsheim "Johannesburg" hatten.

Heute "Jugendhilfeeinrichtung" "Surwold Bürgermoor" in Trägerschaft der "Hiltruper Herz-Jesu Missionare").

 

Die Geschichte über mein Leben in diesem Kloster habe ich nach vielen Jahrzehnten der Verdrängung einer Zeitung erzählt.

Hier ist die Geschichte:

Opfer klagen an

“Das ist mir auch passiert.“ So meldete sich Josef Dorsten am 13. Dezember [2006] in der MV-Redaktion. Gerade hatte er den Artikel „Schuld und Sühne“ auf der Westfalen-Seite unserer Zeitung gelesen. Berichtet wurde über ehemalige Heimzöglinge, die vor dem Petitionsausschuss des Bundestages die Erlebnisse in deutschen Kinderheimen der Nachkriegszeit geschildert hatten. „Erschütternde Zustände von unglaublichen Missständen“, hieß es in dem Bericht. Gewalt, der Zwang zum Arbeitseinsatz und sexueller Missbrauch wurden genannt. 

Artikel von Mathias Schief, 23. Dezember 2006
aktuelle Ausgabe der Nr. 298 "Rheiner VOLKSBLATT"
                                                                                                                                                                                     
eine Zeitungsausgabe der "Münsterländische-Volkszeitung" -
"Dem Zögling die Dankbarkeit mit dem Zuchtstock eingebläut"

von Patern der katholischen Brüdernschaft "Missionare vom Heiligen Herzen Jesu (Hiltrup) "
in dem
katholischen "Zöglingsheim" ( Kloster ) "Johannesburg" im Börgermoor bei Papenburg.
( heute "Jugendhilfeeinrichtung" "Surwold Bürgermoor" in Trägerschaft der "Hiltruper Herz-Jesu Missionare" ). 
Dem Zögling die Dankbarkeit mit dem Zuchtstock eingebläut


Josef Dorsten erzählt aus seiner Zeit im Jugendheim Johannesburg

Von Matthias Schrief

„Schreiben Sie das auf. Schreiben Sie es so, wie ich es gesagt habe. Das ist meine Geschichte. Das soll ruhig jeder wissen. So war das damals in der Johannesburg.“ Da ist er wieder: Der Zorn eines heute 74-Jährigen. Ein Zorn, der mit dem Alter nicht verloschen ist. Ein Zorn, der ihn zeitlebend begleitet hat; dessen Feuer entfacht wurde, als Josef Dorsten auf der Schwelle vom Kind zum Jugendlichen stand. Zwei Jahre und drei Tage - „es war die Hölle“, sagt er heute. Zwei Jahre und drei Tage in dem katholischen Jugendheim Börgermoor bei Papenburg, an die der Bahnpensionär aus dem Schotthock vor allem diese Erinnerung hat: Harte, körperliche Arbeit, Stockschläge und sexueller Missbrauch.


„Schreiben Sie das auf. Das soll ruhig jeder wissen.“ Josef Dorsten


Vergessen? Nein, das kann er nicht. Auch nach all den Jahren nicht. Zu sehr hat er in der Zeit als Zögling im Kloster Johannesburg gelitten. Es war nicht so sehr der entbehrungsreiche Alltag, die einseitige Ernährung, die hauptsächlich aus „Pamms“, einem dünnen Gemüseeintopf bestand. Und Kartoffelbrei. Den gab es nahezu täglich, der musste sogar als Brotaufstrich herhalten. Nein, es war - wie er sagt - die Scheinheiligkeit der Patres und Brüder, die in der Johannesburg das Zepter führten.

Nein, die Patres, die so schnell zum Zuchtstock griffen, kann er nicht vergessen. Genau so wenig wie den Bruder, der sich an den Heimzöglingen verging. Wehren konnten sie sich nicht. Im Gegenteil. „Dankbarkeit“ sollten sie zeigen, die rund 150 Zöglinge. Das verlangte damals der Pater Direktor. Folgte man ihm nicht, erzwang er die Dankbarkeit mit seinem Zuchtstock.


„Die zwei Jahre in der Johannesburg waren die Hölle.“ Josef Dorsten


Es war die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Hamstern oder Hungern hieß damals die Devise. „Bei uns zu Hause lief nicht alles so, wie es eigentlich laufen sollte“, erinnert sich Dorsten an seine Jugendzeit. Der Vater, ein Reichsbahner, war 1943 an einem Magenleiden verstorben, die Mutter mit ihren beiden Jungs auf sich alleine gestellt. Die Brüder: Zwei Lausbuben, die es verstanden, sich Lebensmittel oder Zigaretten bei den Besatzungstruppen zu „organisieren“. „Das haben alle gemacht“, sagt Dorsten. Er und sein jüngerer Bruder sind dann aber dabei erwischt worden, wie sie Wurst und Eingemachtes bei einem Fleischer stibitzten. Ein Vergehen, für das ein 14-Jähriger ohne einschlägige Auffälligkeit vom Jugendrichter heute ein paar Sozialstunden aufgebrummt bekäme. Dorsten wurde damals zu zwei Jahren Fürsorgeerziehung in der Johannesburg verdonnert.

Dorsten war kein Einzelfall. „Neben der Arbeitslosigkeit brachte die besondere Situation der Nachkriegszeit (Schwarzmarkt, Schmuggel, Prostitution, unvollständige und zerrüttete Familien) ein hohes Maß an Jugendgefährdung. Es gab eine steigende Zahl von Minderjährigen, für die Heimplätze gesucht wurden“, heißt es dazu in einer Chronik, die 1988 aus Anlass des 75-jährigen Bestehens der Johannesburg herausgegeben wurde. In der Tradition der Landarmen-, Arbeits- und Rettungshäuser war die Johannesburg 1914 in einer einsamen Gegend gebaut worden, fernab von jeglichem Verkehr und im Stile einer Besserungsanstalt, jedoch ohne Gefängnismauern, auf die man wegen des Moores glaubte verzichten zu können. Die ersten Zöglinge der Johannesburg kamen übrigens aus Wettringen. Am 1. April 1914 hatte die Genossenschaft der Missionare vom Heiligen Herzen Jesu (Hiltrup [bei Münster]) die Leitung und den Betrieb der Erziehungsanstalt übernommen. [ Heute: „Jugendhilfeeinrichtung“ „Surwold Bürgermoor“ in Trägerschaft der „Hiltruper Herz-Jesu Missionare“ ]

Dorsten weiß heute noch in allen Einzelheiten vom ersten Tag in der Johannesburg zu erzählen. Es ist der 13. März 1947. Von nun an ist er Zögling der Abteilung „Hochland“: Schlafsaal mit 35 Jungen, je ein Bett, je ein Spint. Es gibt einen Speisesaal, der auch als Aufenthaltsraum dient. Wie die meisten anderen Jungs wird Dorsten in der Landwirtschaft eingesetzt. „Eine Berufsausbildung gab es damals für uns nicht“, sagt Dorsten.

Das Heimleben war kein Zuckerschlecken. Damit konnte sich Zögling Dorsten allerdings bald abfinden. Aber noch heute kommt die Wut in ihm hoch, wenn er an die Prügel denkt, die er von den Erziehern einstecken musste. „Wissen Sie, es war damals nicht unüblich, dass Jugendliche rauchten. Wir besorgten die Zigaretten ja von den Besatzungssoldaten“, schickt er seiner Episode voraus. Auch im Kloster Johannesburg wurde Tabak angebaut. Dorsten hatte sich verkümmerte Pflanzen besorgt und sie auf einem freien Feld erfolgreich hoch gezogen. „So hatte ich immer was zu rauchen.“ Das war den Zöglingen allerdings nicht erlaubt. Irgendwann muss was rausgekommen sein. Jedenfalls stoppte ihn Bruder E. - dessen Markenzeichen ein Holzknüppel war, den er immer dabei hatte - auf dem Weg zum Mittagessen. „Dorsten, mach' deine Taschen leer!“, fuhr er den Zögling an. Die Tabakblätter fielen zu Boden: „Was glauben Sie, was da los war? Der hat so lange auf mir herumgehauen, bis sein Knüppel kaputt war“, sagt Dorsten.

„Der hat so lange auf mir herumgehauen, bis sein Knüppel kaputt war.“ 
Josef Dorsten


Als er der Mutter das Leben im Heim in einem Brief beschrieben hatte, gab es wieder Prügel. „Der Pater Direktor hielt mir zunächst eine Standpauke über das Leben im Heim. Und damit ich auch ja nicht vergesse, wie gut ich es habe, verpasste er mir eine Tracht, die sich gewaschen hatte.“ Noch schlimmer kam es beim dritten Mal. „Das war perfide, gemein, ungerecht. Dafür hasse ich sie heute noch“, schimpft der 74-Jährige. Zusammen mit seinem Freund Josef „Jupp“ R. war er vom Heim an einen Bauern in der Nachbarschaft zum Arbeitseinsatz „ausgeliehen“ worden. „Eigentlich ein schöner Tag. Denn beim Bauern gab es tolles Abendessen“, erinnert sich Dorsten. Und der Bauer lud die beiden Jungs auch zum Rauchen ein. „Als der Bauer uns abends wieder zur Johannesburg brachte, hatte er allerdings nichts Besseres zu tun, als im Sekretariat zu berichten, dass wir schlecht über die Johannesburg sprechen und auch rauchen.“

Die Strafe erfolgte in der Nacht. „Dorsten komm!“, rief ihn der Pater zu sich ins „Kämmerchen“. Nur mit dem Nachthemd bekleidet, musste der Zögling antanzen. „Ich musste mich bäuchlings über den Stuhl legen. Der Pater straffte dann das Nachthemd schön glatt über den Po und dann gab es so 20 Hiebe mit dem Rohrstock. Kurze Pause. Dann sagte er genüßlich: So - und jetzt noch mal 20 Schläge“, berichtet Dorsten. Als der Pater mit Züchtigung des Zöglings Dorsten fertig war, sagte er nur: So, und jetzt schick mir den Jupp vorbei.“

Es war vielleicht auch die Atmospähre von Befehl und Gehorsam, die die Zöglinge sexuellen Missbrauch kritiklos hinnehmen ließ.

„Ja, er hat sich an mir vergangen. Er hat es mit mehreren gemacht.“ 
Josef Dorsten


Dorsten erinnert sich: „da gab es einen Bruder, der konnte singen wie ein Engel. Aber so gut er singen konnte, so schlecht war sein Charakter.“ Eines Nachts habe der Bruder ihn angesprochen: „Josef, möchtest du wohl ein Pfeifchen rauchen?“ Klar wollte Josef. „Dann komme mit auf mein Zimmer“, forderte der Bruder den damals 16-jährigen auf. Der Zögling saß auf dem Bett, schmauchte das Pfeifchen - bis ihn der Bruder zu sich zog. „Ja, er hat sich an mir vergangen“, sagt der heute 74-Järige in aller Offenheit.

Kein Einzelfall. „Das  hat er mit mehreren Jungs gemacht“, sagt Dorsten. Aufgeflogen ist der Bruder erst, als eine Gruppe Zöglinge zusammen im Bett erwischt wurde. „Wieso, das lernt man hier doch“, konterte einer der Erwischten die Vorwürfe dem Pater Direktor über den Bruder, der die Knaben zu sehr liebte. Gab es Konsequenzen für den Bruder? „Ja, er wurde in ein anderes Heim versetzt“, sagt Dorsten.

Trotz allem: Einmal im Jahr kehrt Dorsten zur Johannesburg zurück. „Wissen Sie, viele, die so etwas erlebt haben, brauchen einen Psychotherapeuten. Brauche ich nie. Denn ich hatte Bruder Schröer. Der hat mir damals über so manche schwere Stunde hinweggeholfen. Das war ein wirklich guter Mensch - ein Engel unter lauter Teufeln.

Mit der Kirche hat der ehemalige Zögling seither abgebrochen. Aber an das Grab von Bruder Schröer kehrt er zurück. Der guten Seele seiner Zeit in der Johannesburg ist er ewig dankbar.


So viel über meine Geschichte die ich der Zeitung berichtet habe. Hier noch einige Bilder von der Johannesburg:


 
                                                                                                           









































 Wohnstube einer Gruppe   Schlafraum


Bevor es zur Arbeit ging, wurde im Innehof zum Apell angetreten.
Die Meister holten die Jungen zur Arbeit ab.                        
                                             

















 

Gruppe Friedbug 1958 mit ihrem Gruppenerzieher
Bruder Hiltrop. Neben seiner Erziehungstätigkeit in der Gruppe war er Arbeitserzieher im Moor.
                                                                  
Der Torfbagger                                                                 













Hier wird der Torf
zum Trocknen gestapelt


















 Die Aula









Pater Jakob van der Zanden,
einer der Patres, der mich verprügelt hat, weil ich meiner Mutter einen Brief schrieb, in dem ich sie informierte, wie schlimm es dort war.






Inspekion der Johannesburg

Vor einigen Tagen ist mit eine Kopie zugeschickt worden, aus dem hervorgeht, dass die Johannesburg auch von verschiedenen dafür verantwortlichen Menschen kontrolliert worden ist.
Diese Inspektion ist wenige Monate nach meiner Entlassung erfolgt, siehe Bericht dazu:








                                                                















Wegen der schlechten Bildqualität habe ich den Brief hier noch einmal abgedruckt:

Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände           Osnabrück, 14.7.1949
          des Regierungsbezirks Osnabrück             Jugendherberge

An den
Hernn Präseidenten
des Niedersächsischen Landtags
in Hannover

Betr.: Fürsorgeerziehungsanstalt Kloster Johannesburg, Neubörger,
         Kreis Aschendorf/Himmling.
Im Rahmen einer vom Regierungspräsedenten-Bezierksjugendpflleger-geleiteten Tagung der Kreisjugendpfleger am 5.7.1949 nahmen die unterzeichneten Vertreter der Jugendorganisationen des Regierungsbezierks an der Besichtigung der Fürsorgeerziehungsanstalt Kloster Johannesburg, Neubörger, im Kreise Aschendorf/Hümmling teil.
Sie stellten dabei folgende Mißstände fest, um deren Überprüfung und Abstellung hiermit gebeten wird:
1. Trotz des am Besichtigungstages herrschenden kühlen und feuchten Wetters trug kein Zögling bei den Aussenarbeiten Strümpfe und Schuhe, nur wenige gingen in schweren Holzschuhen.
2. Hemden und Hosen waren grösstenteils zerrissen und genügten nicht den Anforderungen, die an eine ordnungsmässige Arbeitskleidung gestellt werden müssen.
3. Nur ein geringer Teil der 175 Jungen wurde bei Arbeiten in den Lehrwerkstätten angetroffen.
4. Für die Arbeiten im Torf wird den Zöglingen nur ein Entgelt von DM 0,05 pro Stunde durch die Anstaltsleitung gutgeschrieben.
5. Die Werstätten befanden sich technisch wie räumlich in einem Zustand, der in keiner Weise zur Durchführung einer erfolgreichen Lehre ausreicht.
6. Als Aufenthaltsraum dient einer Abteilung ein ungestrichener, dunkler - nur mit Glühbirne ausgestatteter - Raum, der sich zur Zeit der Mittagspause in einem unsauberen Zustand befand. Die benutzten Blechteller lagen ohne Ordnung in einer Ecke, die Jungen sassen in ihrem zerrissenen Arbeitszeug,mit schmutzigen blossen Füssen um die Tische. Ein Teil rauchte Pfeife und spielte Karten.
Wie halten diese lieblosen Verhältnisse, die sich äusserst deprimierend auch auf sämtliche Fahrtteilnehmer auswirkten - und die nach Berichten von Zöglingen und der Bestätigung des Bezirksjugendpflegers in den anderen Anstalten des Landes noch weit schlechter sein sollen- für das Gegenteil von Fürsorge und nicht dazu geeignet, die Jungen wieder für die menschliche Gemeinschaft zurück-zugewinnen.
Seite 2
Es wäre zu prüfen, wie weit eine Vernachlässigung der Dienstaufsichtspflicht vorliegt.

Die hier gemachten Angaben können durch weitere Tagungsteilnehmer bestätigt werden.
gez.
Günter Halberstadt (Freischat)
Hildegard Lanver (Katholische Jugend)
K.G. Schulz (Gewerkschaftsjugend)
Erwin Förstner (Die Falken-Sozialistische Jugendbewegung)
Werner Wiltmann (Freie Deutsche Jugend)
Jürgen Seifert (Freischar)
Stettner (Bund deutscher Pfadfinder)

An die
Abgeordneten des Kreises Osnabrück-Stadt und - Land im Niedersächsischen Landtag
Fraktionen des Niedersächsischen Landtags
Landesvorstände der SPD, CDU, KPD FDP und DP in Hannover
Industrie und Handelskammer zu Osnabrück
Handwerkskammer zu Osnabrück

Leitung des Ordens vom Hl.-Herzen-Jesu in Hiltrup/Westf.
                                                                                                                                     das Landesjugendamt
den Landesjugendpfleger
den Bezierksjugendpfleger bei der Regierung in Osnabrück
den Stadtjugendpfleger der Stadt Osnabrück
  "   Herrn Regierungspräsidenten in Osnabrück
  "   Herrn Landrat des Kreises Aschendorf/Himmling
  "   Jugendring Osnabrück.
____________________________________________________________


Entlassung aus  Johannesburg und mein Leben danach

Am 15.03.1949 kam ich zu einem Bauer in der Nähe von Börgermoor. Dort gefiel es mir ganz gut und immerhin bekam ich damals einen Lohn von 30.00 DM. Das erste was ich was ich davon für mich vom Schneider anfertigen ließ war ein Anzug. Ich stand immer noch unter der Fürsorge und bin jeden Sonntag zu meinen Freunden auf der Johannesburg gefahren.            















                                                                                                                                                        Meine  Mutter stellte einen Antrag beim Jugendamt, denn sie wollte dass ich eine Arbeit beim Bauer  bei ihr in der Nähe bekomme. Da war ich ein „kleiner Leibeigner“. Mein Freund Josef aus der Johannesburg hatte  dann auch in der Nähe bei einem Bauer gearbeitet. Er war ein Freund in den trüben Tagen und kam eines Tages zu mir, um gemeinsam mit den Rad mit mir zu meiner Mutter zu fahren und anschließend wollten wir auch noch in die Stadt fahren. Der Bauer, bei dem ich arbeitete lehnte das ab und meinte, dass er gleich Montag zum Jugendamt fahren wird, wenn ich jetzt in die Stadt fahren würde. Der Bauer meinte noch einmal deutlich, dass ich sein Leibeigner wäre. In den nächsten Tagen ging ich zu dem Jugendamt, um einen Antrag zu stellen, damit ich wieder zu meinem vorherigen Bauer komme, was dann auch genehmigt wurde. Das hätte ich aber lieber nicht machen sollen, denn in der Zwischenzeit hat sich dort einiges geändert. Als ich mich bei meiner Mutter beklagte, schrieb diese dem Bauer einen Brief und der hat sich dann bei der Johannesburg beschwert. Ich musste dort dann zu einem Gespräch und es wurde mir von einem Pater schwere Vorwürfe gemacht und dass ich ein undankbarer Junge sei und wenn ich mich noch einmal beschwere, würde ich bis zu meinem 21.ten Lebensjahr auf der Johannesburg verbringen müssen. Das wollte ich natürlich nicht, denn ich war ja erst 18 Jahre alt. Ich blieb dann bis zur Ernte bei diesem Bauer und bin dann wieder zu meiner Mutter gegangen. Mein Bruder, der ja auch im Heim war, kam eine Woche später und wir arbeiteten beide beim Bauer. Damals hieß es Notstandsarbeit, die ich vorgezogen habe.

Ich hatte sehr viel nachzuholen und deswegen ging es jeden Samstag zum Tanz. Mein Bruder und ich fingen an, das Leben zu genießen, denn wir wollten nur eines unsere Heimzeit und die Erfahrungen beim Bauer so schnell wie möglich vergessen.

1953 habe ich geheiratet, was nicht einfach war, weil meine Ehefrau die einzige Tochter war und die sich bestimmt einen anderen Schwiegersohn gewünscht hätten.

 

 

Nach der Heirat machte  ich weiter Notstandsarbeit, weil es keine andere Arbeit gab. 1955 erinnerte ich mich an einen  Traum, den ich auf der Johannesburg hatte. Habe mich daraufhin bei der Bundesbahn beworben und bin auch angenommen worden. Von da an ging es uns besser. Mir wurde eine Wohnung fern der Schwiegereltern angeboten und wir haben sie genommen. Diese war auf einem  Dorf aber sehr  schön. Meine Frau und ichbekamen sechs Kinder im laufe der Zeit. Ich habe mich auf den Hosenboden gesetzt und bin zur Schule gegangen und 1974 in den Beamtenstand übernommen worden. Das war das zweite was ich auf der Burg geträumt habe. 1966 habe ich das dritte in Angriff genommen. Ich habe meine Kindheit am Rand der Stadt verbracht mit allen den Freiheiten. In Rheine, meine Vaterstadt wurde mir ein Grundstück an Rande der Stadt angeboten. Ich habe dort gebaut und meine Kinder sind wie ich ohne Verbote groß geworden. Die Kinder sind aus dem Haus und ich habe das Haus verkauft und mir eine Eigentumswohnung zugelegt. Meine Frau und ich sind stolze Großeltern von 13 Enkeln und fünf Urenkel. Im nach hinein denke ich, dass es gut war von der Stadt  weg zu gehen um  Ruhe vor gewissen Menschen zu haben, die die Vergangenheit nicht ruhen lassen können.












Besuch der Johannesburg




Einfahrt zur Johannesburg



 





Besuch 2007


Links Direktor Klein, Rechts Bruder Köster,
ich bin in der Mitte














 

 

Jedes Jahr fahre ich zur Johannesburg und besuche das Grab von Bruder Schröer.

Juli 2009
Es hat lange gedauert bis ich meine Akten bekommen habe, im Juli war es dann soweit:












Ich habe nun meine Akte gelesen, einige nähere Umstände über meine Heimeinweisung erfahren, aber keine wirklich neuen Erkenntnisse. Damit möchte ich auch meine Zeit und meine Erfahrungen in der Johannesburg abschließen.
In Zukunft wird es ein Thema aller ehemaligen Heimkinder sein, denn es betrifft uns alle, die wir aus fadenscheinigen Gründen in Heime gekommen sind und das dunkelste Kapitel der Nachkriegszeit wird aufgeklärt werden müssen. Die Arbeit dazu hat begonnen, aber es wird noch eine Zeit in Anspruch nehmen und erste Ergebnisse in der Aufarbeitung wird es 2010 mit der Arbeit des Runden Tisches unter dem Vorsitz von Frau Dr. Antje Vollmer geben.
Ich möchte es noch erleben, dass die Kirchen das an uns begangene Unrecht einsehen und aus diesem Unrecht lernen ; für andere Menschen - Kinder - Jugendliche, damit so etwas niemals wieder passieren kann.

Josef Dorsten 


von Josef Dorsten
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